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Internationales Jugendcamp 2001

Internationales Jugendcamp im Edith-Stein-Haus Parchim

 

In der Zeit vom 19.07.2001 bis 28.07.2001 fand das Internationale Jugendcamp im Edith-Stein-Haus Parchim statt. Das Thema lautete „Jugend baut Europa“. Durch die sehr gute Vorbereitung des Seminars und der Teilnahme von Jugendlichen aus Ungarn, Rumänien, Slowakei und Deutschland, die ein sehr hohes Niveau hatten und alle die deutsche Sprache konnten, war die von uns gesetzte Zielsetzung erreicht worden.

 

Die Jugendlichen aus den vier Ländern fanden sehr schnell Kontakt zu einander und die Verständigung klappte fast ohne Sprachmittler. Die Referate im Hinblick auf die Osterweiterung der Europäischen Union, Einführung des EURO usw. wurden mit großem Interesse verfolgt.

 

Aber nicht nur die Zukunft, sondern auch die Vergangenheitsbewältigung hatte ein großes Interesse bei den Teilnehmern geweckt und manche Wissenslücke konnte durch die Referenten bei den Teilnehmern geschlossen werden.

 

Das von uns geplante Jugendseminar konnte in diesem Jahr entsprechend unserem Plan durchgeführt werden. Wenn es Abweichungen gab, waren diese nur aus zeitlichen Gründen gegeben, bzw. der jeweilige Referent bat um kurze Zeitverschiebungen.

 

Auf Grund des sehr hohen Niveaus der Teilnehmer, fast alle waren Studenten der Germanistik, Journalistik und Politik, war ein großes Interesse bei der Wissensvermittlung zu verzeichnen. Hinzu kam hierbei, dass die Teilnehmer von sich aus eine hohe Bereitschaft zeigten, mit den Referenten zu sprechen und die eigenen Probleme in ihrer Heimat entgegenzustellen und in vielen Diskussionen offen zu legen. Die Teilnehmer waren dankbar über das vielfältige Programm, zumal für alle Teilnehmer die eine oder andere persönliche Erwartung erfüllt wurde. In vielen Diskussionen wurden fremdenfeindliche Tendenzen in allen Ländern abgelehnt und Unverständnis darüber geäußert. Die Institutionen und Einrichtungen die von den Teilnehmern besucht worden waren, gaben sich sehr große Mühe und ließen erkennen, wie wichtig solche Seminare auf internationaler Ebene sind. Die unterschiedlichen Methoden der Referenten, die einzelnen Seminare mit Leben zu erfüllen, kamen bei den Teilnehmern gut an. Es waren nicht nur reine Fachvorträge, es wurden vor Ort bzw. durch geeignete Medien die Inhalte vermittelt. Deutlich wurde, dass nicht der finanzielle Aspekt bei solchen Seminaren in Vordergrund stehen darf, sondern hier die völkerverbindenden Ansichten und Aspekte zur besseren Verständigung untereinander und miteinander das Primäre sein müssen.

 

Aus den uns vorliegenden Erkenntnissen dieses Jugendprojektes ist festzustellen, dass der von uns angedachte Weg geeignet ist, die gestellten Ziele zu erreichen. Die Zusammenführung von Menschen verschiedener Kulturen und Nationen ist sehr wichtig, um gegenseitiges Verständnis zu erzielen. So ist als Resultat dieses Seminars zu sagen, dass das Edith-Stein-Haus auch im Jahr 2002 wieder ein Jugendcamp durchführen wird, aber es soll ein Jugendmediencamp werden, wo die Jugendlichen Radiosendungen über sich und dieses Camp produzieren sollen.

 

Lothar Pfeil

 

 

Tagesberichte des Internationalen Jugendseminars 2001


 

Freitag, 20.07.

 

Im Verlauf des Donnerstages, dem 19.07., fand die Anreise der Teilnehmer statt. Am Abend wurde der Gruppe das Programm vorgestellt und man lernte sich kennen.

 

Am Freitag, dem 20.07, begann das Programm mit dem Thema „Das historische Erbe zweier Diktaturen - Der Wiederaufbau“. Herr Kreft vom Bauamt Parchim lieferte hierzu die Theorie hinsichtlich der Neugestaltung militärischer Hinterlassenschaften. Dazu wurden ehemalige Militärstandorte der Stadt Parchim besichtigt und deren heutige Nutzung, z.B. das Landratsamt, welches früher eine Kaserne des kaiserlichen Dragonerregimentes und der Roten Armee der Sowjetunion war. Ebenso besuchte die Gruppe den Jugendclub, der in ehemalige Ställe bzw. Panzerhallen eingezogen ist. Am Nachmittag wurde den Jugendlichen der Parchimer Flugplatz und seine Geschichte durch Herrn Schulze vorgestellt.

Der Abend wurde mit einem gemeinsamen Lagerfeuer beschlossen, bei dem sich die Gruppe besser kennenlernen konnte.

 

Abschließend lässt sich sagen, dass das Tagesprogramm interessant und informativ war. Teilweise war es jedoch zu viel Information auf einmal, so dass die Konzentration nachließ. Des weiteren lässt sich sagen, dass es eventuell nicht so gut war, den Tag fast ausschließlich mit Referaten zu füllen.

 


Samstag, 21.07.

 

Der Samstag stand im Zeichen des Gedenkens. So wurde am Vormittag der Parchimer Friedhof besucht, auf dem sich der Ehrenfriedhof der Roten Armee befindet. Danach führte der Weg durch die Stadt an der Stele des großherzoglichen Dragonerregimentes aus dem I. Weltkrieg vorbei zur Georgenkirche, in der die Gedenktafeln aus den verschiedenen Kriegen mir deutscher Beteiligung besichtigt wurden. Es wurde auch der Kirchturm bestiegen, der der Gruppe eine schöne Aussicht über Parchim bot. Sehr viel Interesse wurde der momentan in der Georgenkirche stattfindender Auschwitzausstellung gewidmet.

 

Am Nachmittag wurde das jüdische Leben in Parchim durch Frau Frank vorgestellt, die sich seit mehreren Jahren mit diesem Thema beschäftigt. Dies geschah sowohl im Edith-Stein-Haus als auch an Originalplätzen jüdischen Lebens in der Stadt. Dieser Programmpunkt war sehr interessant und wurde anschaulich von Frau Frank dargestellt. Leider war es nicht möglich, Begleitmaterial zu erhalten, da das Buch von Frau Frank über Juden in Parchim vergriffen ist.

 

Abends trafen sich die Jugendlichen zu einem gemeinsamen Liederabend und so endete er Tag in einer fröhlichen Runde.

 


Sonntag, 22.07.

 

Am Sonntag war kein Programm vorgesehen. Dieser Tag sollte der Ruhe gewidmet sein. Am Vormittag gab es die Gelegenheit, die Heilige Messe zu besuchen, danach stand es jedem frei, was er tun wollte. So gingen ein paar der Gruppe nach dem Mittagessen zum Wockersee, einige blieben im Haus oder begaben sich in den Garten. Abends sah man sich gemeinsam ein Video an und ließ den Tag bei einem kleinen Lagerfeuer ausklingen.

 


Montag, 23.07.

 

Thema des Montags war die Arbeitssituation in Deutschland und Europa. So war die Gruppe am Vormittag im Arbeitsamt, um sich über die Möglichkeiten der Berufsberatung und der Arbeitslosenvermittlung zu informieren. Nach dem Mittagessen besuchte man eine Beschäftigungsgesellschaft, die s sich zur Aufgabe gemacht hat, Arbeitslosen wieder zu Arbeit zu verhelfen. Anschließend gab es eine Überraschung. Die Gruppe war zu einer Fahrt auf der Elbe eingeladen. Die Fahrt fand auf einem Schiff statt, das arbeitslose Jugendliche wieder fahrtüchtig gemacht hatten.

 

Am Abend fand ein Vortrag zur politischen Situation der Jugend in den Neuen Bundesländern statt. Der Referent war Herr Kuhn von der Landeszentrale für politische Bildung.

 

Der Tag war informativ und lehrreich. Am positivsten wurde der Vortrag von Herrn Kuhn aufgenommen.

 


Dienstag, 24.07.

 

Am Dienstag fuhr die Gruppe nach Rostock. Dort hörte man am Vormittag einen Vortrag zur Restrukturierung und Erneuerung der Universität Rostock. Anschließend erfuhren die Jugendlichen, welche Möglichkeiten es für ausländische Studenten in Deutschland gibt und an welche Organisationen man sich wenden kann. Nach dem Mittagessen im ehemaligen Stasigebäude der Stadt gab es eine kleine, aber sehr interessante Stadtführung. Danach fuhr man nach Warnemünde, um die Ostsee zu genießen. Wieder in Parchim grillte man im Garten und begab sich bald zu Bett.

 

Der Tag in Rostock war sehr schön, sowohl die Themen als auch alles andere wurden sehr positiv aufgenommen. Natürlich war man auch von der Ostsee begeistert.

 


Mittwoch, 25.07.

 

Das Thema für den Mittwoch lautete „Soziale Sicherungssysteme in Deutschland“. So wurde das ehemalige Kloster in Dobbertin besucht, das heute Wohn- und Arbeitsplätze für insgesamt 400 Behinderte bietet. Herr Ahlsleben, der Leiter der Einrichtung, die von der Diakonie getragen wird, führte die Gruppe durch das Gelände. Es wurden die Werkstätten und auch noch alte Teile der Klosteranlage besichtigt, wie z.B. der Kreuzgang oder die Klosterkirche. Nach dem Mittagessen fuhr man nach Dreilützow, wo 60 Behinderte in einer Einrichtung der Caritas leben. Hier lernte man deren Leben kennen, wobei versucht wird, den Menschen so viel Freiheit und Selbständigkeit wie möglich zu lassen.

 

Den Abend konnte jeder so verbringen, wie er wollte.

 


Donnerstag, 26.07.

 

Am Donnerstag ging die Fahrt nach Schwerin. Dort besichtigte man den Landtag und bekam einen Einblick in die politische Arbeit der Minister und Abgeordneten. Anschließend folgte eine Führung durch das Schweriner Schloss und die neu eröffnete Orangerie. Nach dem Mittagessen begab man sich in das neue Dokumentationszentrum für Opfer zweier deutscher Diktaturen. Dort wurde der Gruppe von Herrn Kuhn das ehemalige Untersuchungsgefängnis am Demmlerplatz gezeigt und wie die Häftlinge dort behandelt wurden.

 

Anschließend besichtigte man die St. Anna Kirche der katholischen Gemeinde in Schwerin und machte noch einen Abstecher in den Schweriner Dom.

 

Der restliche Nachmittag war zum Bummeln da und wurde eifrig dazu genutzt.

 

Am Abend sah man sich den Film „Nikolaikirche“ an, der der Gruppe zeigte, wie es in der DDR zum Schluss aussah.

 


Freitag, 27.07.

 

Am Freitag bekam die Gruppe Besuch von Angestellten der Dresdner Bank. Sie erklärten Chancen und Risiken der neuen europäischen Währung, des Euros.

 

Danach referierte Dr. Diederich vom Heinrich-Theissing-Institut über das Thema „Es gibt keine Ausländer in der Kirche“. Aus diesem Thema entstand eine rege Unterhaltung über die Situation der Kirche in den Ländern der Teilnehmer.

 

Der Nachmittag war mit Vorbereitungen für den Abschlussabend ausgefüllt. Es wurde ein sehr geselliger Abend, wo viel erzählt, getanzt, gesungen und vor allem auch gelacht wurde.

 


Samstag, 28.07.

 

An diesem letzten gemeinsamen Tag fuhr die Gruppe nach Berlin. Dort erfuhren sie durch einen Stadterklärer in einer 2½-stündigen Fahrt durch Berlin die Geschichte und vieles mehr dieser Stadt. Nach der Stadtrundfahrt, hatten die Teilnehmer Zeit selbständig die Stadt vom Alexanderplatz zu erkunden.

 

Csilla Szasz
Teilnehmerin aus Rumänien