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20 Jahre Edith-Stein-Haus – das katholische Bildungs- und Exerzitienhaus feiert Geburtstag

Schätze der Spiritualität

Veröffentlicht auf Neue KirchenZeitung (http://www.neue-kirchenzeitung.de)

Ein runder Geburtstag im Parchimer Bildungs- und Exerzitienhaus: Vor 20 Jahren wurde der Neubau eingeweiht. Er bekam den Namen „Edith-Stein-Haus“. Am vergangenen Samstag wurde der Geburtstag gefeiert: mit einem Gottesdienst, mit Musik, gutem Essen – und natürlich Bildung. 

Weihbischof Norbert Werbs und Diakon Stephan Handy beim Festgottesdienst zum 20-jährigen Bestehen des Edith-Stein-Hauses.  Foto: Volkstaedt

Weihbischof Norbert Werbs – er gehört auch im Ruhestand noch zu den Stammreferenten des Bildungshauses – erklärte im Gottesdienst, warum dieses nach der jüdischen Philosophin, Ordensfrau und Märtyrerin Edith Stein benannt ist. Sie fand den Weg vom Atheismus zum Glauben, sie verbindet jüdischen und christlichen Glauben, und sie war Wissenschaftlerin. „Diese Eigenschaften passen zu einem Bildungshaus in der Diaspora“, sagt Diakon Dr. Stephan Handy, langjähriger Leiter des Hauses. 

Wie viel Edith Stein passend zur Gesellschaft der Gegenwart, in einer Situation der Unübersichtlichkeit, der Beliebigkeit und der unsicheren Beziehungen zu sagen hat, verdeutlichte die Festrednerin Prof. Claudia Mariéle Wulf. Mit der in der Schweiz und in Holland tätigen Theologin hatte die Feier eine der führenden Edith-Stein-Forscherinnen der Gegenwart gewonnen (Festvortrag zum Jubiläum). Vielleicht ist das Werk Edith Steins ein Schatz christlicher Spiritualität, der im Bewussstsein der Nachwelt noch gehoben werden muss. 

Parchim ist nicht erst seit 20 Jahren ein Ort der katholischen Erwachsenenbildung. Schon vor 90 Jahren hatte das St. Nikolausstift, wenige Meter vom heutigen Standort entfernt, eine Reihe von Bildungsaufgaben. In der „Kommunikantenanstalt“ wurden damals Kinder unterrichtet. Nach dem Krieg fanden dort Exerzitien unter Leitung von Jesuitenpatres statt. Ab 1971 wurde das Nikolausstift „Bischöfliches Exerzitien- und Bildungshaus“. Nach der Wende entsprach das Gebäude weder den Anforderungen an ein Altenheim noch an ein modernes Bildungszentrum. Zwei neue Häuser wurden gebaut. Das Altenheim behielt den Namen St. Nikolaus.  

In den vergangenen 20 Jahren hat sich viel getan. Exerzitien, Ehekurse, Podiumsdiskussionen, Fortbildungen für Schülersprecher und Nachwuchs-Journalisten, Familienferien, Seniorenstudium, Singetage, Hausmusiktreffen, Behindertenfreizeiten, Einführungen in das „angstfreie“ Arbeiten mit neuer Computertechnik: Die Liste der Programmpunkte ist sehr lang. Dazu nutzen zahlreiche „Mieter“ das Haus. Kirchliche Gruppen, aber auch andere, wie etwa die Polizei des Landes Mecklenburg-Vorpommern – denn Diakon Stephan Handy ist Polizeiseelsorger. Kein Wunder, dass die Profi-Musiker des Polizeiorchesters am Nachmittag im Edith-Stein-Garten aufspielte. 

Walerij Grischanow (links) erklärt die Kunstwerke einer kleinen Festausstellung.  Foto: Hüser

Eine besondere Spezialität des Edith-Stein-Hauses ist der lange Kontakt zur russischen Ikonen-malschule um Walerij Grischanow. Der Künstler gilt auch in Russland als einer der bedeutendsten Ikonenmaler. Etliche Kurse hat er in Parchim geleitet. „Als ich zum ersten Mal hier war, war meine Aufgabe terra incognita (lat. unbekanntes Land). Ich wusste nicht: Deutschen das Malen von Ikonen zeigen – wie wird das gehen?“ Heute kommen selbst Lehrer des Ikonenmalens nach Parchim, um von Grischanow zu lernen. Der Meister ist überzeugt: So schwierig ist das mit den deutschen Malschülern gar nicht. „Die meisten kennen die biblischen Motive sehr gut.Was die Spiritualität betrifft, brauchen sie keine Hilfe. Und ich fühle mich mittlerweile hier wie zu Hause.“ Der nächste Ikonenkurs mit Grischanow ist übrigens schon im Herbst: vom 15. bis 20. November. 
 
Text: Andreas Hüser
 

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